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Mathias Corvinus Collegium
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Das Mathias Corvinus Collegium (MCC) ist eine Bildungseinrichtung und Denkfabrik mit Sitz in Budapest, die dem rechtskonservativen politischen Spektrum zugerechnet wird. Das MCC ist die grĂ¶ĂŸte private Bildungseinrichtung fĂŒr Begabtenförderung Ungarns und des Karpatenbeckens, die kostenlose Talentförderungsprogramme anbietet. Diese ergĂ€nzen die traditionelle öffentliche Schul- und Hochschulbildung mit der Zielsetzung, interdisziplinĂ€res Wissen ĂŒber den eigenen Fachbereich hinaus zu vermitteln.cite-ref-2[2] Das MCC fungiert auch als Wissenszentrum mit eigenen angesiedelten Forschungsinstituten, das MobilitĂ€tsprogramme und Stipendienprogramme organisiert, BĂŒcher und akademische Arbeiten veröffentlicht und internationale Konferenzen und Diskussionsforen veranstaltet.cite-ref-3[3]

Das wie die Corvinus-UniversitĂ€t nach dem ungarischen König Matthias Corvinus benannte MCC wurde von der ungarischen Regierung unter Viktor OrbĂĄn 2020 mit umgerechnet mehr als einer Milliarde Euro ausgestattet. 2020 wurde die frĂŒhere Stiftung durch die Mathias-Corvinus-Collegium-Stiftung, eine Stiftung öffentlichen Rechts, ersetzt, was mit der StĂ€rkung der finanziellen Basis und der Festlegung neuer Ziele verbunden war. Der neuen Stiftung wurden vom ungarischen Parlament zweckgebunden jeweils zehn Prozent der staatlichen Anteile am Ölkonzern MOL sowie am Pharmaunternehmen Richter Gedeon im Wert von knapp 1,4 Mrd. € ĂŒbertragen, aus deren Dividenden sich die AktivitĂ€ten der Stiftung im Wesentlichen finanzieren.cite-ref-4[4] Es wird von einigen Medien als politisches Instrument bezeichnet, Ungarns zukĂŒnftige Eliten hervorzubringen sowie ein internationales rechtes Netzwerk in Europa zu etablieren. Von seinen Kritikern wird das MCC als regierungsfreundliche Kaderschmiede bezeichnet. Laut SelbsterklĂ€rung ist es „ideologisch unabhĂ€ngig, aber nicht wertneutral“.cite-ref-03-5-0[5]cite-ref-12-6-0[6]cite-ref-13-7-0[7]

Vorsitzender des Stiftungsrates ist BalĂĄzs OrbĂĄn, der nicht mit diesem verwandte politische Direktor des MinisterprĂ€sidenten Viktor OrbĂĄn. Generaldirektor ist ZoltĂĄn Szalai, Herausgeber der konservativ-bĂŒrgerlichen ungarischen Wochenzeitung Mandiner. Das MCC hat 28 Standorte in Ungarn, seinen NachbarlĂ€ndern im Karpatenraum sowie in BrĂŒssel fĂŒr ĂŒber 7000 Studenten (Stand: Oktober 2023).cite-ref-4-8-0[8]cite-ref-3-9-0[9]

Contents

‱ Geschichte
‱ Lunch Talks
‱ Buchverlag
‱ Weblinks

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Geschichte

Im Jahr 1996 spendeten der GrĂŒnder und OrbĂĄn-Berater AndrĂĄs Tombor und seine Familie einen betrĂ€chtlichen Geldbetrag, um eine Einrichtung zur Ausbildung von Talenten zu grĂŒnden.cite-ref-10[10]cite-ref-11[11] Ziel ihrer Initiative war es, junge Menschen mit herausragendem Talent und Engagement fĂŒr das Wohlergehen Ungarns zu fördern und ihnen die Art von Weiterbildung zu bieten, die im traditionellen Schulsystem aus GrĂŒnden des Zeit- und Ressourcenmangels nicht möglich war. Die Einrichtung nahm zunĂ€chst Gymnasiasten und UniversitĂ€tsstudenten auf. Parallel dazu wurde ein Tutorsystem eingerichtet, und es wurden erste Vortragsreihen und Studienreisen ins Ausland organisiert. Es verfĂŒgt ĂŒber verschiedene Programme, zum Beispiel eine FĂŒhrungs- und Journalistenakademie, und bietet Kurse fĂŒr Studenten und SchĂŒler ĂŒber Wirtschaft, Sozialwissenschaft und Rechtswissenschaft in Budapest und weiteren ungarischen StĂ€dten an.cite-ref-12[12] Zudem wurden mehrere Institute ins Leben gerufen, u. a. zu Migrations- und Klimaforschung.cite-ref-13[13]

In den 2000er Jahren war MiklĂłs MarĂłth der Leiter der Einrichtung insgesamt, die dort unterrichteten Fachrichtungen wurden einer separaten Leitung unterstellt. 2001 wurde auf dem GellĂ©rt-Berg in der SomlĂłi-Straße in Budapest ein Kollegium (Wohnheim) mit 47 Studenten eingerichtet. Im Jahr 2002 wurde das Sekundarschulprogramm auf der Grundlage von Fernunterricht und Samstagsschultagen eingefĂŒhrt, gefolgt von zweijĂ€hrigen Weiterbildungsprogrammen in den Bereichen Recht, Wirtschaft, Sozialwissenschaften, internationale Beziehungen und Kommunikation, die den UniversitĂ€tsstudenten offenstanden. Neben der Erneuerung seines Ausbildungssystems ist das MCC seit 2008 als Mitherausgeber auf dem Buchmarkt tĂ€tig. 2009 wurde die Akademie fĂŒr FĂŒhrungskrĂ€fte ins Leben gerufen.

In den 2010er Jahren wurde ein Programm fĂŒr SekundarschĂŒler in Cluj-Napoca und Odorheiu Secuiesc in SiebenbĂŒrgen, RumĂ€nien eingerichtet, gefolgt von einem UniversitĂ€tsprogramm.cite-ref-14[14] 2015 wurde das Jugendtalentprogramm fĂŒr GrundschĂŒler ins Leben gerufen, bei dem die SchĂŒler Erfahrungen in Bereichen sammeln sollen, die im öffentlichen Unterricht nicht gelehrt werden, aber eng mit dem tĂ€glichen Leben verbunden sind. Im Jahr 2017 wurde das Ausbildungsportfolio um die Programme fĂŒr FĂŒhrungskrĂ€fte des öffentlichen Lebens erweitert, zunĂ€chst mit dem Start der SiebenbĂŒrgischen Schule fĂŒr Politik, die sich an die ungarische Minderheitengemeinschaft in SiebenbĂŒrgen richtet. 2018 begannen zwei weitere AufbaustudiengĂ€nge, der Lehrgang fĂŒr FĂŒhrungskrĂ€fte des öffentlichen Lebens in der Karpatenukraine und der Lehrgang fĂŒr weibliche FĂŒhrungskrĂ€fte des öffentlichen Lebens.cite-ref-15[15] Im selben Jahr wurde das Roma-Talentprogramm ins Leben gerufen, und das UniversitĂ€tsprogramm um die Fachspezialisierung der Mindset-Psychologieschule erweitert.cite-ref-16[16] 2019 wurden mit dem Ziel, eine Kultur des demokratischen Dialogs aufzubauen, die Debattenakademie, sowie die internationalen Programme MCC Budapest Summit und MCC Budapest Lectures geschaffen.

Im Juni 2020 wurde die Mathias-Corvinus-Collegium-Stiftung neue EigentĂŒmerin der Einrichtung. Die Nationalversammlung ĂŒbertrug der Stiftung jeweils zehn Prozent der Aktien der MOL AG und Richter Gedeon AG sowie die Immobilien an der SomlĂłi-Straße. Parallel zur Erneuerung wurden auch die Organisation und die Organe des MCC umstrukturiert. Die neue Mathias-Corvinus-Collegium-Stiftung wurde zeitgleich mit der Auflösung der von den ehemaligen GrĂŒndern geleiteten Tihany-Stiftung gegrĂŒndet, deren PrĂ€sident der damalige stellvertretende Minister BalĂĄzs OrbĂĄn und deren Generaldirektor ZoltĂĄn Szalai, bereits seit 2009 geschĂ€ftsfĂŒhrender Direktor des MCC, wurde. Im selben Jahr erhielt die Stiftung einen neuen Zuschuss aus dem Zentralhaushalt, wodurch sich ihr Vermögen auf 400 Milliarden Forint (ĂŒber 1 Mrd. €) erhöhte, eine Summe, die das Jahresbudget aller anderen ungarischen Hochschulen ĂŒbertrifft.cite-ref-17[17]cite-ref-18[18]cite-ref-19[19] Als Sitz der Stiftung und VeranstaltungsgebĂ€ude dient das ehemalige Danubius Hotel Flamenco (Stand: 2021).cite-ref-20[20]cite-ref-21[21]

Im Jahr 2021 weitete das MCC seine AktivitÀten weiter aus, um neue Ortschaften und Leute abdecken zu können. Zum ersten Mal fand in Gran (Esztergom) das MCC-Fest, ein Talent-, Musik- und Kulturfestival, mit mehreren nationalen und internationalen Rednern statt, darunter Tucker Carlson, der amerikanische politische Kommentator Dennis Prager und der in Indien geborene geopolitische Zukunftsforscher Abishur Prakash.cite-ref-22[22]cite-ref-23[23]

Das MCC unterhĂ€lt verschiedene internationale Kooperationen. Am 1. Dezember 2020 nahm das Deutsch-Ungarische Institut seine Arbeit auf.cite-ref-24[24] Es befindet sich in den RĂ€umen des ehemaligen Balassi-Instituts. Leiter ist der Jurist Bence Bauer, der zuvor fĂŒr die Konrad-Adenauer-Stiftung arbeitete.cite-ref-25[25] Im November 2022 eröffnete eine Dependance in BrĂŒssel.cite-ref-26[26] Direktor des MCC Brussels ist Frank Furedi,cite-ref-27[27] Forschungsdirektor Werner J. Patzelt.cite-ref-28[28]

Im Jahr 2023 startete das MCC mit 7.000 Studenten die zweite Phase seines UniversitĂ€tsprogramms in lĂ€ndlichen UniversitĂ€tszentren.cite-ref-29[29] Das regionale Netzwerk des MCC ist erheblich gewachsen, bis Oktober 2023 war das MCC an 28 Standorten im Karpatenbecken und außerhalb prĂ€sent – davon 17 innerhalb Ungarns und 11 in auslĂ€ndischen StĂ€dten –, wo es auch mit der Renovierung vernachlĂ€ssigter und heruntergekommener GebĂ€ude begann.cite-ref-4-8-1[8]

Im Jahr 2023 erwarb das MCC eine 90-prozentige Beteiligung an der Modul University in Wien.cite-ref-0-30-0[30] Die private UniversitÀt mit Schwerpunkt Tourismus bietet StudiengÀnge auf Bachelor-, Master- und Doktoratsniveau an.cite-ref-31[31] Im Juni 2023 wurde eine Kooperationsvereinbarung mit der European School of Management and Technology Berlin unterzeichnet.cite-ref-32[32]

Generaldirektor ist der Germanist und Kulturhistoriker ZoltĂĄn Szalai. Leiter der Medienschule ist der frĂŒhere Welt-Korrespondent Boris KĂĄlnoky.

Organisationsstruktur

Innerhalb des MCC gibt es verschiedene Schulen, WerkstÀtten und Fachabteilungen, die die Begabtenförderungsprogramme verwalten. Diese werden durch sechs weitere Forschungsinstitute ergÀnzt:cite-ref-33[33]

‱ Institut fĂŒr Migrationsforschung
‱ Institut fĂŒr Klimapolitik
‱ Deutsch-Ungarisches Institut fĂŒr EuropĂ€ische Zusammenarbeit
‱ Institut fĂŒr Jugendforschung
‱ Institut fĂŒr Lernforschung
‱ Flow Forschungsinstitut

Bildungsprogramme

Die Ausbildung wird im Rahmen der folgenden Programme durchgefĂŒhrt: Jugendtalentprogramm, Sekundarschulprogramm, UniversitĂ€tsprogramm, Postgraduiertenprogramm, MCC-Doktorandenprogramm, Postdoktorandenprogramm, Roma-Talentprogramm und Zentrum fĂŒr Karriere- und fachliche Entwicklung.cite-ref-mcc-szakter-letek-34-0[34]

In den Rahmen des UniversitĂ€tsprogramms fallen die folgenden Schulen: Schule fĂŒr Recht, Schule fĂŒr Wirtschaft, Medienschule, Mindset-Psychologieschule, Schule fĂŒr Internationale Beziehungen, Schule fĂŒr Sozialwissenschaften und Geschichte.cite-ref-35[35]

Das MCC verfĂŒgt ĂŒber umfangreiche internationale Kontakte, lĂ€dt zahlreiche auslĂ€ndische Dozenten und Gastdozenten nach Ungarn ein und vergibt internationale Stipendien an Studierende. Zu den Gastdozenten gehören Mark Khater, Direktor des Centre for Strategy and Performance an der UniversitĂ€t Cambridge; Jeffrey Sachs, Joshua Katz, Linguist und Altphilologe, ehemaliger Professor an der Princeton University; und Tilo Schabert.cite-ref-36[36]cite-ref-37[37]cite-ref-38[38]cite-ref-39[39]

Die Organisation organisiert jedes Jahr Hunderte von Veranstaltungen mit internationalem Bezug. Dazu gehören die wöchentlich stattfindenden MCC Budapest Lectures, die regelmĂ€ĂŸigen MCC Ambassador Talks und MCC Lunch Talks sowie die grĂ¶ĂŸte Veranstaltung ihrer Art, der MCC Budapest Summit, der jedes Jahr stattfindet. Das MCC Budapest Peace Forum 2023 brachte 70 Redner und 35 Experten aus 20 verschiedenen LĂ€ndern zusammen.cite-ref-40[40] Die Institution war Gastgeber mehrerer sehr erfolgreicher und fachlich renommierter Redner und Gastdozenten.

Stipendienprogramme

MCC bietet verschiedene Arten von Stipendien an, um seinen Studenten und Fachleuten die Möglichkeit zu geben, ihr Wissen zu vertiefen und an den besten UniversitÀten der Welt zu forschen. Ab Juni 2023 bietet das MCC die folgenden Stipendien an:cite-ref-41[41]

‱ Stipendium fĂŒr die Wiener Modul UniversitĂ€t
‱ Stipendium Peregrinum
‱ Budapest-Fellowship-Programm
‱ MCC-Fellowship-Programm
‱ MCC-Scholarship-Programm
‱ MCC Training Grant
‱ Visiting-Fellowship-Programm
‱ Scrutopia Summer School
‱ MCC MobilitĂ€t+

Im Jahr 2020 rief das MCC das Stipendienprogramm MCC Visiting Fellowship ins Leben, in dessen Rahmen herausragende auslĂ€ndische (und im Ausland lebende ungarische) Forscher und Professoren die Möglichkeit erhalten, fĂŒr einen Zeitraum von zwei Wochen bis zu sechs Monaten an den komplexen AktivitĂ€ten des MCC teilzunehmen, zu forschen und in den Budapester und regionalen Zentren des MCC zu lehren.cite-ref-42[42]

Im Jahr 2021 riefen MCC und die in Washington D.C. ansĂ€ssige Hungary Initiatives Foundation gemeinsam das Budapest Fellowship Program ins Leben, ein zehnmonatiges Austauschprogramm fĂŒr junge Wissenschaftler aus den USA, die in Budapest arbeiten und forschen sollen.cite-ref-43[43]

Konferenzen und Veranstaltungen

Studenten des Mathias Corvinus Collegium können von international anerkannten Lehrern und Forschern lernen, die das MCC regelmĂ€ĂŸig besuchen. Es wurden zahlreiche nationale und internationale Fachveranstaltungen organisiert, darunter auch große internationale Konferenzen.

Budapest Lectures

Die Reihe der Budapest Lectures bietet Intellektuellen eine Plattform, um sich mit aktuellen Themen aus den Bereichen internationale Politik, Wirtschaft, Kultur und anderen relevanten Fragen zu befassen, die derzeit die Köpfe der Vordenker beschĂ€ftigen. Das Hauptziel dieser Diskussionen besteht darin, diese oft kontroversen, aber dennoch fesselnden Themen zu analysieren. Mit diesen Veranstaltungen möchte MCC der Öffentlichkeit die vielseitigsten, anspruchsvollsten und zum Nachdenken anregenden VortrĂ€ge prĂ€sentieren. In der Reihe treten international anerkannte Experten auf, die in ihren jeweiligen Fachgebieten herausragend sind und hĂ€ufig an der Gestaltung öffentlicher, sozialer und wirtschaftlicher Beziehungen auf der ganzen Welt beteiligt sind. Gastredner waren Mark Khater von der UniversitĂ€t Cambridge, Jeffrey Sachs, Joshua Katz und Tilo Schabert, emeritierter Professor fĂŒr Politikwissenschaft an der UniversitĂ€t Erlangen und Autor von Boston Politics.cite-ref-44[44]

Budapest Summit

Der Gipfel konzentriert sich jedes Jahr auf SchlĂŒsselthemen, die wichtig sind, um die Welt besser zu verstehen. Im Jahr 2019 lag der Schwerpunkt auf der Migration, wĂ€hrend im Jahr 2020 Patriotismus die SchlĂŒsselfrage der Veranstaltung war. Im Jahr 2022 organisierte MCC zwei Budapester Gipfeltreffen: Im Februar ging es um die Bildung bei der Entwicklung des Selbstbewusstseins, des Denkens und der IdentitĂ€t junger Menschen, wĂ€hrend im September die wirtschaftlichen Folgen des Krieges im Mittelpunkt standen.cite-ref-45[45]cite-ref-46[46]

Ambassador Talk

In der Reihe Ambassador Talk stellen aktive Botschafter ihr Land oder ihr Wohnsitzland, ihre diplomatischen Erfahrungen und ihre Beziehungen zu Ungarn vor. Die Veranstaltungen beinhalten auch eine Fragerunde, in der Studierende und Wissenschaftler Fragen stellen können. Ziel des Programms ist es, den Studierenden ein VerstĂ€ndnis fĂŒr die alltĂ€glichen Beziehungen Ungarns zu anderen Nationen zu vermitteln, sie mit den Besonderheiten der PartnerlĂ€nder vertraut zu machen und sie mit der tĂ€glichen Arbeit, den Herausforderungen und Erfahrungen von Botschaftern und Missionsleitern vertraut zu machen.cite-ref-47[47]

Lunch Talks

Bei den alle zwei Wochen stattfindenden Lunch Talks stellt ein Mitglied des wissenschaftlichen Personals oder ein auslĂ€ndischer Gastwissenschaftler seine neuesten Forschungsergebnisse vor. Im Anschluss an den Vortrag fungiert ein Experte aus einem anderen Fachbereich oder einer der Studenten als Gegenspieler und stellt im Rahmen der anschließenden Diskussion Fragen an den Teilnehmer. Das Hauptziel des Programms besteht darin, ein Forum fĂŒr MCC-Studenten und akademische Mitarbeiter zu schaffen, in dem sie ihre Forschungsergebnisse austauschen und informelle Diskussionen fĂŒhren können.cite-ref-48[48]

Zielsetzung und Standorte

Das Ziel des MCC ist es, nach der Änderung der MaßstĂ€be im Jahr 2020 innerhalb weniger Jahre 10.000 Studenten an 35 Standorten auszubilden und in allen ungarischen Komitaten und NachbarlĂ€ndern mit ungarischer Bevölkerung, einschließlich der Slowakei und der Vojvodina, prĂ€sent zu sein.cite-ref-49[49] Das Jugendtalentprogramm fĂŒr GrundschĂŒler soll in allen StĂ€dten prĂ€sent sein, ebenso das Sekundarschulprogramm fĂŒr Gymnasiasten, und in acht UniversitĂ€tsstĂ€dten (Budapest, Wien, Klausenburg, Raab, Miskolc, Debrecen, Szeged und FĂŒnfkirchen) soll es UniversitĂ€tsprogramme mit oder ohne Wohnheimplatz geben.cite-ref-50[50]

Das Bildungsziel ist die Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit, die Ausbildung von dialogfĂ€higen, gemeinschaftlich denkenden und handelnden Menschen, die mit den kulturellen und historischen Traditionen Ungarns vertraut sind und sich in der Welt orientieren können. Junge Erwachsene, die die FĂ€higkeit zu Selbstdarstellung und -ausdruck, kritischem Denken, ein hohes Maß an intellektueller EigenstĂ€ndigkeit, Eigenverantwortung, Unternehmergeist, einen sich stĂ€ndig erweiternden Bildungshorizont und hervorragende Problemlösungskompetenzen entwickelt haben.

Expansion aufs Land und jenseits der Grenzen

Das MCC bietet jungen Menschen, die sich engagieren und etwas fĂŒr die Nation und ihre lokale Gemeinschaft tun wollen, die Möglichkeit, ihre FĂ€higkeiten zu entwickeln, sich der Welt zu öffnen, internationale Prozesse kennenzulernen und von den besten Lehrern zu lernen, und zwar kostenlos und unabhĂ€ngig von ihrer geografischen Lage oder finanziellen Situation.

Im Geiste des lĂ€ndlichen Aufbaus hat das MCC die Renovierung einer Reihe von GebĂ€uden in schlechtem Zustand, aber mit einer langen Geschichte, einer denkmalgeschĂŒtzten Vergangenheit und einer besseren Zukunft in Angriff genommen, mit dem Ziel, diese symboltrĂ€chtigen GebĂ€ude so bald wie möglich fĂŒr BegabtenförderungsaktivitĂ€ten zur VerfĂŒgung zu stellen. Dazu gehören das Hotel Aranybika in Debrecen, das Hotel Konferencia in GyƑr, das Hotel Avas in Miskolc, das Nationale Casino in PĂ©cs, das Kinder- und Jugendlager in RĂ©vfĂŒlöp, das BĂ©la-BartĂłk-Kulturzentrum in Szeged, das SportszĂ©khĂĄz in SzekszĂĄrd, das alte Wohnheim in der PetƑfi-Straße in Szombathely und das alte Rathaus in Zalaegerszeg.cite-ref-51[51]cite-ref-52[52]cite-ref-53[53]cite-ref-54[54]cite-ref-55[55]cite-ref-56[56]

Eines der Ziele der Investitionen besteht darin, den GebĂ€uden ihre frĂŒhere zentrale Rolle in den StĂ€dten und ihre frĂŒhere Pracht zurĂŒckzugeben. Außerdem sollen die GebĂ€ude durch die Einrichtung von CafĂ©s, BuchlĂ€den und GemeinschaftsrĂ€umen in das kulturelle Leben der StĂ€dte integriert werden und die Einwohner durch die Organisation offener Programme erreicht werden.cite-ref-57[57]

MCC eröffnete im November 2022 ein Zentrum in BrĂŒssel, das die politische Beratung und die eingehende Untersuchung aktueller Themen erleichtern soll. Das Zentrum bietet eine Plattform fĂŒr Intellektuelle und Experten, um den konzeptionellen und normativen Status der europĂ€ischen Politikgestaltung zu diskutieren und zu bewerten. Mit seinem besonderen Ansatz zu politischen, sozioökonomischen und kulturellen Fragen will es die europĂ€ischen EntscheidungstrĂ€ger kennenlernen und beeinflussen. DarĂŒber hinaus bietet das Zentrum ein anspruchsvolles und anregendes Umfeld fĂŒr Gaststudenten, die in kurzen Kursen und Seminaren zu Themen des europĂ€ischen Gedankens und der EU-Politikgestaltung Einblicke in den Politik- und Entscheidungsfindungsprozess in BrĂŒssel gewinnen können.cite-ref-58[58]cite-ref-59[59]

Buchverlag

Das MCC betreibt den stiftungseigenen Verlag MCC Press, der ungarische sowie internationale Autoren in Übersetzungen publiziert. Beispielsweise hat MCC Press 2022 eine ungarische Übersetzung des Buchs Neue Zeit, neue Verantwortung von Friedrich Merz herausgebracht, die bislang einzige Ausgabe dieser Schrift in einer anderen Sprache. Andere ĂŒbersetzte Werke stammen von Tilo Schabert, Philip Plickert, von der Feminismus- und Gender-Kritikerin Birgit Kelle, der amerikanischen Journalistin Abigail Shrier, dem amerikanischen Publizisten Rod Dreher, dem dĂ€nischen Ökonomen und Thinktank-GrĂŒnder BjĂžrn Lomborg sowie Historikern wie David Engels, Andreas Rödder, Rolf Peter Sieferle.

Das Mathias Corvinus Collegium nahm seine VerlagstĂ€tigkeit 2008 auf, doch die ersten Veröffentlichungen wurden noch in Mitherausgeberschaft herausgegeben. Der unabhĂ€ngige MCC-Verlag (MCC Press) nahm seine TĂ€tigkeit im Jahr 2021 auf. Ziel der VerlagstĂ€tigkeit der Stiftung ist es, das ungarische Lesepublikum fĂŒr Debatten zu interessieren, die in Ungarn weniger bekannt sind, aber in der angelsĂ€chsischen Welt bereits gefĂŒhrt werden. DarĂŒber hinaus sollen Leben und Werk vorbildlicher Persönlichkeiten gefördert und ihren SchĂŒlern, ehemaligen SchĂŒlern und Dozenten Publikationsmöglichkeiten geboten werden. Es wurden bereits mehrere kommerziell erhĂ€ltliche BĂ€nde veröffentlicht. Im Rahmen der VeröffentlichungstĂ€tigkeiten von MCC Press wurden auch BĂŒcher deutschsprachiger Autoren ins Ungarische ĂŒbersetzt.cite-ref-60[60]

Am 24. MĂ€rz 2021 erwarb MCC eine indirekte strategische (Veto-)Minderheitsbeteiligung an der Libri-Bookline AG (bzw. Libri-Bookline Gruppe).cite-ref-2-61-0[61] MCC begrĂŒndete seine Entscheidung damit, dass die Akquisitionstransaktion sowohl ein professioneller und intellektueller Aufbau der Organisation als auch eine rationale GeschĂ€ftsentscheidung sei, da sie auch ein Mittel zur Ausweitung der AktivitĂ€ten von MCC darstellen könne. In Zukunft kann das MCC die ErtrĂ€ge aus den Ergebnissen fĂŒr die Ausbildung, die Förderung und die Betreuung der begabtesten Studenten sowie fĂŒr die Ausweitung ihrer Studienmöglichkeiten im Ausland verwenden.cite-ref-62[62]

Am 13. Juni 2023 wurde bekannt gegeben, dass die MCC die Anteile von Ákos Balogh fĂŒr eine nicht genannte Summe erworben hat und damit eine Mehrheitsbeteiligung von 98,41 Prozent an Libri-Bookline, dem grĂ¶ĂŸten Akteur auf dem ungarischen Buchhandels- und Verlagsmarkt, besitzt.cite-ref-2-61-1[61]

Rezeption und Kritik

Der Standard bezeichnete das MCC als OrbĂĄns „Propagandaorgan“. Es verfolge das Ziel, Ungarns zukĂŒnftige, OrbĂĄn-treue Eliten hervorzubringen sowie ein internationales rechtes Netzwerk in Europa zu etablieren.cite-ref-0-30-1[30] Stephan Löwenstein, politischer Korrespondent der FAZ, bezeichnet das MCC als rechtes GegenstĂŒck zu den von George Soros gegrĂŒndeten Open Society Foundations.cite-ref-63[63] 2022 bezeichnete das ARD-Magazin Kontraste das MCC als „rechte Kaderschmiede“ und kritisierte die Konrad-Adenauer-Stiftung fĂŒr ihre Kooperation.cite-ref-elite-64-0[64] Im August 2023 wurde der TĂŒbinger OberbĂŒrgermeister Boris Palmer fĂŒr einen geplanten Auftritt am MCC kritisiert. Nach Darstellung der UniversitĂ€t TĂŒbingen, deren Professor Reinhard Johler Palmer bei der Reiseplanung beraten hatte, ging dies auf eine Verwechslung des MCC mit der Budapester Corvinus-UniversitĂ€t zurĂŒck.cite-ref-65[65] Palmer kritisierte das MCC bei seinem Auftritt im September dafĂŒr, zu eng mit der OrbĂĄn-Regierung verbunden zu sein.cite-ref-66[66]

Das MCC ist eng mit dem ungarischen nationalkonservativ-rechtspopulistischen Lager verbunden.cite-ref-67[67] WĂ€hrend der vierten OrbĂĄn-Regierung unterstĂŒtzte die Nationalversammlung die Institution mit einem Aktienpaket im Wert von rund 300 Milliarden Forint. Im selben Jahr erhielt sie weitere 100 Milliarden Forint an staatlicher UnterstĂŒtzung sowie mehrere Immobilien.cite-ref-02-68-0[68]cite-ref-69[69] Dies wurde kontrovers diskutiert, da viele FĂŒhrungspersönlichkeiten des MCC mit Fidesz und dem inneren Kreis um MinisterprĂ€sident Viktor OrbĂĄn assoziiert sind. Durch die Änderung des Grundgesetzes sind die ZuschĂŒsse keine öffentlichen Gelder mehr und unterliegen nicht mehr der Haushaltsordnung, was von einigen als mangelhafte Finanzkontrolle kritisiert wird.cite-ref-70[70] Das MCC-Gesetz unterwirft aber das MCC dadurch gleichzeitig der fĂŒr jede Kapitalgesellschaft bzw. Stiftung verpflichtenden Finanzvorschriften. Öffentliches Vergaberecht bleibt unberĂŒhrt.cite-ref-71[71] Erleichterungen bestehen lediglich fĂŒr die dem MCC ĂŒbertragenen Immobilien, da diese als besonderes staatliches Kulturgut eingestuft wurden, fĂŒr deren Erhalt und Entwicklung das MCC durch Kabinettsverordnung von einigen Verfahrensvorschriften befreit wurde.cite-ref-72[72] Das Mathias-Corvinus-Collegium (und frĂŒher die Tihany-Stiftung) veröffentlicht auf seiner Website einen Jahresbericht als auch einen Bericht ĂŒber die GemeinnĂŒtzigkeit.cite-ref-73[73]

Kritiker sehen das MCC als eng mit der Regierung OrbĂĄn verbunden an.cite-ref-12-6-1[6] Generaldirektor ZoltĂĄn Szalai sagte in einem Interview aus dem Jahr 2020, das MCC sei ideologisch unabhĂ€ngig, aber nicht wertneutral: Es ziele darauf ab, die nĂ€chste Generation von Ungarn mit den notwendigen FĂ€higkeiten auszustatten, um das Land selbstbewusst in einem globalen Wettbewerb zu vertreten. Die Einrichtung wolle bei ihren Studenten Weltoffenheit, internationale Erfahrung, Fremdsprachenkenntnisse und Patriotismus fördern. MCC ermutige seine Studierenden auch, einen Beitrag zum öffentlichen Dialog und zur Kultur zu leisten und Teil der kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Elite Ungarns zu werden. Die Einrichtung unterstĂŒtze junge Menschen, die sich fĂŒr ihr Land engagieren, die bereit sind, einen Beitrag zu ihrer Gemeinschaft zu leisten, und die sich fĂŒr ihre Landsleute und ihre Umwelt verantwortlich fĂŒhlen, und helfe ihnen, ihr Potenzial zu entfalten und sich zu entwickeln.cite-ref-1-74-0[74]

Im Vorfeld der Europawahl 2024 wurde das MCC vom Klimawandel-Blog DeSmog dafĂŒr kritisiert, Klimawandelleugnern eine Plattform in BrĂŒssel geboten zu haben.cite-ref-75[75]

Weblinks

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: Mathias Corvinus Collegium

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‱ Stephan Löwenstein, Esztergom: Ungarn: So funktioniert Elitenförderung unter OrbĂĄn. In: FAZ.NET. 4. August 2023, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 16. August 2023]).

Einzelnachweise

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